Die Schweizer Uhrenhersteller atmen auf

Das Jahr 2017 stand für die Schweizer Uhrenindustrie im Zeichen der Erholung. Nach zwei Jahren mit starken Rückgängen dürften die Exporte 2018 wieder in Nähe der Marke von 20 Milliarden Franken rücken – oder sogar darüber liegen. Von einem "vorsichtigen Optimismus" spricht Jean-Daniel Pasche, Präsident des Verbandes der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH). "Die Weltkonjunktur hat sich verbessert und der chinesische Markt hat mit einem Sprung von 20 Prozent spektakulär zur Form zurückgefunden", sagte Pasche.

Nach elf Monaten in 2017 seien nun zwei Drittel der 30 wichtigsten Märkte der Schweizer Uhrenindustrie im Plus. - Zenith

Die Chinesen hingen immer noch stark an Luxusprodukten, auch nach der "negativen Periode" während der Anti-Korruption-Kampagne der Regierung. Die Auswirkungen dieser Kampagne trafen die Uhrenindustrie laut Pasche schwer. Nach elf Monaten in 2017 seien aber nun zwei Drittel der 30 wichtigsten Märkte der Schweizer Uhrenindustrie im Plus. Die 20-Milliarden-Franken-Marke liegt laut Pasche in Griffnähe. Das wäre schon ein beachtlicher Sprung, nachdem die Exporte im Vorjahr nur gerade 19,4 Milliarden Franken erreichten. Im Rekordjahr 2014 waren es 22,2 Milliarden – seither ging es bergab.

Der größte Abnehmer Hongkong (wichtig wegen seiner Rolle im Tourismus und als Drehscheibe für andere Länder) wachse wieder nach den Rückgängen der vergangenen Jahre, sagte Pasche weiter. Zwischen Januar und November betrug das Wachstum 5,3 Prozent. In die USA, dem zweitwichtigsten Markt noch vor China, gingen die Exporte um 4 Prozent zurück. Pasche sieht aber ein "großes Potenzial". Denn viele Uhren, die in den USA über den Online-Handel verkauft werden, sind via andere Länder eingeführt worden.

Wiederum hielten die Uhrenhersteller ständig ein Auge auf dem Franken-Kurs zum Euro: Dass der Franken sich in den vergangenen Monaten abschwächte, sei erfreulich, sagte Pasche. Die acht Rappen, die der Franken-Kurs zum Euro seit Juli nachgab, seien eine "gute Nachricht". 34 Prozent der Exporte gehen nach wie vor nach Europa.

Vom Wachstum bei den Uhrenexporten, das sich im März nach 20 negativen Monaten wieder eingestellt hat, profitieren indes nicht alle. "Die großen Marken sind besser aufgestellt als die kleinen und die Zulieferer leiden nach wie vor", sagte Pasche weiter.

Für 2018 zeigt sich der Verbandspräsident "vorsichtig optimistisch". Er erwarte ein Wachstum in der Größenordnung des Jahres 2017 und hoffe, dass die Uhrenindustrie möglichst breit davon profitieren könne.

Im Zusammenhang mit der Krise bei der Uhrenmesse Baselworld, die im März ihre Tore mit noch halb so vielen Ausstellern wie einst öffnen wird, sagte Pasche, es sei prinzipiell wichtig, dass die Uhrenbranche solche Schaufenster behalte. Im Online-Zeitalter seien es jedoch nicht mehr weltweite Schaufenster. Aber: "Die wichtigsten Vitrinen müssen in der Schweiz bleiben."
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